Herr Sander aus Stendal hatte nach einem Blower-Door-Test einen n50-Wert von 3,2 h⁻¹ – knapp über dem GEG-Grenzwert von 3,0 für belüftete Gebäude. Der Tester ortete mit Thermokamera und Nebelgenerator: Rollladenkastenumrandung oben, eine Kabeleinführung im Spitzboden und eine Überlappungsnaht der Dampfsperre im Dachbereich. Alle drei Stellen wurden vom Eigentümer selbst abgedichtet – Rollladenkastenband 22 Euro, Manschette 18 Euro, Dampfsperrenklebeband 14 Euro. Beim Nachtest vier Wochen später: n50-Wert 1,8 h⁻¹. Verbesserung um 44 %. Gesamtkosten für Materialien: 54 Euro. Was ohne professionelle Ortung vermutlich passiert wäre: Blindreparaturen, und der Wert wäre über 3,0 geblieben. Die Ortung hat die DIY-Maßnahme erst wirksam gemacht.

Was Sie selbst testen können

Bevor Sie einen Profi beauftragen: Einige Undichtigkeiten finden Sie mit Hausmitteln. Diese drei Tests kosten nichts außer 20 Minuten Zeit – am besten an einem kalten, windigen Tag:

  • Handflächen-Test: Mit angefeuchteter Handfläche langsam an Fensterrahmen, Steckdosen der Außenwände und der Dachbodenluke entlangfahren. Kühle Luftströmung = Leckage.
  • Papier-Test: Ein Blatt Papier in den Fensterfalz klemmen und Fenster schließen. Lässt es sich bei verriegeltem Fenster herausziehen, fehlt Anpressdruck – Dichtung oder Beschlag nachstellen.
  • Kerzen-Test: Eine Kerzenflamme wandert an undichten Stellen sichtbar zur Seite. Vorsicht bei Gardinen – oder gleich ein Räucherstäbchen nehmen. Anleitung im Detail: DIY-Zugluft-Check.
Grenze der Hausmittel: Sie finden damit die Leckagen, die Sie ohnehin spüren. Die teuren Schwachstellen sitzen aber dort, wo niemand hinfasst – hinter Trockenbauverkleidungen, über abgehängten Decken, in Installationsschächten. Dafür braucht es Unterdruck und Messtechnik.

Wie der Profi Leckagen ortet

Die professionelle Leckageortung kombiniert den Blower-Door-Test mit Ortungstechnik: Bei konstantem Unterdruck von 50 Pascal strömt durch jede Undichtigkeit Außenluft ins Gebäude – und diese Strömung lässt sich aufspüren:

Rauchstift / Nebel: Der feine Rauch macht Luftströmungen unmittelbar sichtbar. An dichten Stellen steigt er ruhig auf, an Leckagen wird er messbar abgelenkt oder weggerissen.

Anemometer: Das Luftgeschwindigkeitsmessgerät beziffert jede Leckage in m/s – so lässt sich dokumentieren, welche Schwachstelle relevant ist und welche vernachlässigbar.

Thermografie: Die Königsdisziplin im Winter: Einströmende Kaltluft zeichnet markante kalte Fahnen auf Wände und Decken, die die Wärmebildkamera sofort sichtbar macht – auch hinter Möbeln und in Raumecken.

Echte Befunde aus unseren Messungen

Diese Originalaufnahmen stammen aus unseren Prüfberichten – fünf Klassiker, die wir in fast jedem Gebäude finden:

Lufteinströmung an Kabeldurchführung im Trockenbau wegen mangelhaft verklebter Dampfsperre
Befund 1 – Kabeldurchführung: Die Dampfsperre ist um das Leerrohr nicht luftdicht verklebt. Folge: permanenter Kaltlufteintrag in die Wand, Tauwasserrisiko in der Dämmebene.
Lufteinströmungen hinter Trockenbau an Rohrdurchführungen
Befund 2 – Rohrdurchführung hinterm Trockenbau: Von außen unsichtbar; erst der Unterdruck verrät die Einströmung über die Beplankungsfuge.
Lufteinströmung an Deckenspots durch beschädigte Dampfsperre
Befund 3 – Deckenspots: Jeder Einbaustrahler durchstößt die Luftdichtheitsebene. Zehn Spots können zusammen so viel Leckagefläche bilden wie ein gekipptes Fenster.
Lufteinströmung am Heizkreisverteiler in Trockenbau-Innenwand
Befund 4 – Heizkreisverteiler: Die Installationsöffnung in der Innenwand ist mit dem kalten Estrichaufbau verbunden – ein versteckter Kaltluft-Kurzschluss.
Fehlender Anpressdruck der Lippendichtung an einer Terrassentür
Befund 5 – Terrassentür: Fehlender Anpressdruck der Lippendichtung. Die billigste Reparatur der Liste – oft genügt das Nachstellen der Beschläge.

Wann lohnt sich die professionelle Ortung?

Klare Indikationen aus 19 Jahren Messpraxis:

  • Vor jeder größeren Sanierung: Wer dämmt, ohne Leckagen zu kennen, riskiert Tauwasserschäden in der neuen Konstruktion.
  • Bei unerklärlich hohen Heizkosten: Wenn Verbrauch und Gebäudezustand nicht zusammenpassen, ist unkontrollierter Luftwechsel der häufigste Täter.
  • Bei Zugluft- oder Kaltwand-Beschwerden: Besonders im Dachgeschoss – dort sitzen die meisten verdeckten Leckagen.
  • Bei Schimmel ohne erkennbare Ursache: Leckagen transportieren feuchte Luft in kalte Bauteilschichten – Schimmel wächst dann an Stellen, die mit Lüftungsverhalten nichts zu tun haben.
  • Im Neubau vor Ablauf der Gewährleistung: Dokumentierte Leckagen sind Baumängel – nach der Verjährung zahlen Sie selbst.

Kosten und Ablauf

Die Leckageortung ist bei uns Bestandteil des Blower-Door-Tests: EFH mit Leckageortung ab 490 € netto, als Kombipaket mit Thermografie ab 550 €. Sie erhalten den Leckagebericht mit Foto, Position und Priorität je Schwachstelle – die perfekte Arbeitsliste für Ihre Handwerker. Details: Ablauf & Preise.

Leckageortung anfragen

Blower-Door-Test mit Leckageortung und Fotobericht – Festpreisangebot in 24 Stunden.

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Häufige Fragen

Jede relevante. Unter 50 Pa Unterdruck strömt durch jede Verbindung nach außen Luft ein – mit Rauch, Anemometer und Thermografie arbeiten wir die gesamte Hülle systematisch ab. Mikroleckagen ohne praktische Bedeutung dokumentieren wir, bewerten sie aber ehrlich als unkritisch.

Nein. Die Ortung ist vollständig zerstörungsfrei – wir lokalisieren die Einströmung an der Oberfläche. Ob dahinter die Dampfsperre, eine Fuge oder eine Durchdringung undicht ist, lässt sich aus Befundbild und Bauweise fast immer ableiten.

Meist überraschend wenig: Beschläge nachstellen kostet Minuten, Klebeband und Manschetten wenige Euro pro Stelle. Teuer wird es nur, wenn die Luftdichtheitsebene großflächig fehlt – genau deshalb lohnt die baubegleitende Messung im Neubau, solange alles offen ist.