Nach jedem Blower-Door-Test steht eine Zahl im Protokoll: der n50-Wert. Für viele Bauherren und Eigentümer ist dieser Wert zunächst abstrakt. Ist 1,2 gut? Sind 3,5 ein Problem? Und was verlangt die KfW überhaupt?
Marcel Rohrlack – staatlich geprüfter Bautechniker und Sachverständiger für Luftdichtheit seit 2006 – erklärt den n50-Wert praxisnah.
Inhaltsverzeichnis
Ein Bauherr aus dem Jerichower Land ließ für sein neu gebautes Einfamilienhaus (KfW 40, Erdwärmepumpe, Photovoltaik) nach der Fertigstellung einen Blower-Door-Test durchführen – auf Anraten des Energieberaters. Das Ergebnis: n50 = 2,3 h⁻¹. Der Grenzwert für KfW 40 liegt bei 1,0 h⁻¹. Der Unterschied war nicht marginal, sondern förderschädlich: Die KfW hätte bei diesem Wert den Effizienzhaus-40-Zuschuss anteilig gekürzt, was bei einem Kreditvolumen von 350.000 Euro einem Verlust von rund 11.000 Euro entsprochen hätte. Nach der Ortung von 14 Leckagen – Rollladenkästen, Dampfsperre-Überlappungen, Steckdosen in der Außenwand – und anschließender Abdichtung durch den Rohbaubetrieb sank der n50-Wert auf 0,74 h⁻¹. Die Messkosten: 490 Euro. Der verhinderte Förderverlust: das 22-fache davon.
Was ist der n50-Wert?
Der n50-Wert (auch: Luftwechselrate bei 50 Pascal) gibt an, wie oft das gesamte Raumluftvolumen eines Gebäudes pro Stunde bei einem Differenzdruck von 50 Pascal ausgetauscht wird. Er wird gemessen nach DIN EN ISO 9972:2018-12.
Die Formel ist einfach: n50 = V̇50 / V, wobei V̇50 der gemessene Volumenstrom bei 50 Pa und V das Netto-Raumvolumen des Gebäudes ist. Die Einheit ist h⁻¹ (pro Stunde).
Ein n50-Wert von 1,5 h⁻¹ bedeutet: Bei 50 Pascal Druckdifferenz wird das gesamte Luftvolumen des Hauses 1,5 Mal pro Stunde durch Lecks ausgetauscht. Je kleiner der Wert, desto luftdichter das Gebäude.
n50-Grenzwerte: Was fordert die Norm?
Verschiedene Standards setzen unterschiedliche Grenzwerte. Hier die Übersicht für 2026:
| Standard / Anforderung | Grenzwert n50 | Gilt für |
|---|---|---|
| GEG ohne Lüftungsanlage | ≤ 3,0 h⁻¹ | Neubauten ohne KWL |
| GEG mit Lüftungsanlage | ≤ 1,5 h⁻¹ | Neubauten mit KWL |
| KfW Effizienzhaus 55 | ≤ 1,5 h⁻¹ | KfW BEG WG/NWG |
| KfW Effizienzhaus 40 | ≤ 1,0 h⁻¹ | KfW BEG WG/NWG |
| Passivhaus | ≤ 0,6 h⁻¹ | PHI-Zertifizierung |
| Klimafreundlicher Neubau (KfW 297) | ≤ 1,5 h⁻¹ | Neubau Wohngebäude |
Alle Werte gelten für das Eindruckverfahren (Überdruck, Methode 1 nach DIN EN ISO 9972). Für KfW-Förderanträge ist zwingend ein normkonformes Messprotokoll eines zertifizierten Sachverständigen erforderlich.
Was ist ein typischer n50-Wert in der Praxis?
Aus unseren Messungen seit 2006 ergeben sich folgende Erfahrungswerte:
- Neubau nach EnEV/GEG: typisch 0,5–1,8 h⁻¹ bei sorgfältiger Ausführung
- Sanierter Altbau: typisch 1,5–3,5 h⁻¹ je nach Maßnahme
- Unsanierter Altbau (Baujahr vor 1980): oft 5,0–12,0 h⁻¹ – hier ist erhebliches Einsparpotenzial vorhanden
- Gründerzeit / DDR-Plattenbau: teilweise 15,0 h⁻¹ und mehr möglich
Wie wird der n50-Wert gemessen?
Beim Blower-Door-Test wird ein kalibriertes Gebläse in eine Tür- oder Fensteröffnung eingebaut. Das Gebläse erzeugt einen definierten Unter- oder Überdruck von 50 Pascal. Die Messtechnik erfasst dabei präzise den Volumenstrom, der zur Aufrechterhaltung dieses Drucks notwendig ist.
Gleichzeitig wird das Raumvolumen des Gebäudes nach Bauplanung ermittelt. Aus Volumenstrom und Raumvolumen ergibt sich der n50-Wert direkt.
Der gesamte Messvorgang dauert bei einem Einfamilienhaus ca. 60–90 Minuten, inkl. Vorbereitung, Messung und Dokumentation.
n50-Wert und Fördermittel: Was bei Nichteinhaltung passiert
Der n50-Wert ist nicht nur ein technischer Kennwert – er ist ein Förderhebel. Wer den Grenzwert verfehlt, verliert Zuschüsse oder muss in niedrigere Förderstufen eingestuft werden:
| KfW-Standard | n50-Grenzwert | Typischer Zuschuss (300k Haus) |
|---|---|---|
| KfW 40 (EH40) | ≤ 1,0 h⁻¹ | bis 30.000 € |
| KfW 55 (EH55) | ≤ 1,5 h⁻¹ | bis 22.500 € |
| GEG-Neubau (Mindest) | ≤ 3,0 h⁻¹ (mit Lüftung) / ≤ 1,5 h⁻¹ (ohne) | keine Förderung |
Bei einer Blower-Door-Messung durch BlowerDoorMR erhalten Sie ein normgerechtes Protokoll nach DIN EN ISO 9972, das direkt als Nachweis bei KfW und BAFA eingereicht werden kann. Die Messung wird auch vor Übergabe an Bauherren empfohlen – Nachbesserungen sind dann noch kostengünstig möglich, solange die Handwerker noch auf der Baustelle sind.
Normkonformes Messprotokoll für KfW & GEG, Leckageortung und persönliche Beratung durch Marcel Rohrlack.
n50-Wert zu hoch: Was ist zu tun?
Ein zu hoher n50-Wert zeigt an, dass die Gebäudehülle Leckagen hat. Diese führen zu:
- Erhöhten Heizkosten durch unkontrollierten Wärmeverlust
- Zugerscheinungen und Komfortproblemen
- Feuchteschäden durch unkontrollierte Feuchtigkeitsströme
- Verlust von KfW-Förderung bei nicht erreichtem Grenzwert
Der nächste Schritt ist die Leckageortung: Durch gezielte Inspektion unter Druckdifferenz werden die Schwachstellen lokalisiert. Typische Leckagen: Steckdosen in Außenwänden, Dachrandanschlüsse, Fensterfugen, Kabeleinführungen und Revisionsöffnungen.
Nach gezielter Nachbesserung durch den Fachbetrieb kann eine Wiederholungsmessung die Verbesserung dokumentieren – wichtig für den KfW-Förderantrag.
FAQ: n50-Wert
Nicht zwingend für jeden Neubau, aber für KfW-Förderung und wenn eine raumlufttechnische Anlage eingebaut wird (GEG § 26) ist die Messung Pflicht. Mehr dazu: Blower-Door-Test Pflicht nach GEG.
Ja. Typische Maßnahmen: Fensterfugen abkleben/abdichten, Kabeleinführungen in Außenwänden abdichten, Rollladenkästen sanieren, Dachrandanschlüsse nachbessern. Ein Blower-Door-Test zeigt die größten Leckagen.