Was sind Wärmebrücken?
Eine Wärmebrücke ist ein Bereich in der Gebäudehülle, durch den Wärme schneller von innen nach außen fließt als durch die umgebende Konstruktion. In der Bauphysik spricht man von einer lokal erhöhten Wärmestromdichte.
Das klingt technisch – die Konsequenzen sind aber sehr praktisch: höhere Heizkosten, kalte Wandoberflächen, Schimmel und im schlimmsten Fall Durchfeuchtung der Bausubstanz.
Die 3 Typen von Wärmebrücken
1. Geometrische Wärmebrücken
Entstehen durch die Form der Konstruktion. Ecken, Kanten und Knickpunkte haben ein ungünstigeres Oberflächen-zu-Volumen-Verhältnis als gerade Flächen – sie geben mehr Wärme ab.
Typische Beispiele: Außenwandecken, Dachübergänge, Leibungen bei Fensteranschlüssen, Kelleraußenwand am Übergang zur Bodenplatte.
2. Konstruktive (stoffliche) Wärmebrücken
Entstehen durch Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit, die durch die Dämmschicht geführt werden. Beton leitet Wärme 50-mal besser als Mineralwolle, Stahl sogar 800-mal besser.
Typische Beispiele: Betonbalkone, Stahlträger, Fensterstürze, Ringbalken, Betonstützen in Leichtbauwänden.
3. Anschlusswärmebrücken (Luftleckagen)
Entstehen durch undichte Stellen in der Gebäudehülle. Warme, feuchte Raumluft strömt durch Risse oder Schlitze nach außen und kühlt dabei ab. Das führt zu Kondensation an kalten Oberflächen.
Typische Beispiele: Anschluss Dampfbremsfolie/Fensterrahmen, Durchdringungen für Leitungen, fehlende Dichtbänder bei Rollladenkästen.
Folgen unbehandelter Wärmebrücken
Wärmebrücken haben mehrere negative Auswirkungen, die sich gegenseitig verstärken:
- Höhere Heizkosten: Jede Wärmebrücke erhöht den Energiebedarf. Bei vielen Wärmebrücken können 5–15 % der Heizenergie verloren gehen.
- Tauwasserbildung: Wenn die Wandoberfläche unter den Taupunkt der Raumluft fällt, kondensiert Feuchtigkeit. Das führt zu Schimmel.
- Schimmelwachstum: Schimmel entsteht bei relativer Feuchte über 80 % auf der Wandoberfläche – eine häufige Folge kalter Wärmebrückenoberflächen.
- Bausubstanzschäden: Wiederholte Durchfeuchtung schädigt Mauerwerk, Holz und Dämmstoffe auf Dauer.
- KfW-Anforderungen nicht erfüllbar: Gebäude mit vielen Wärmebrücken erreichen die Effizienzhausstufen oft nicht.
Wärmebrücken erkennen – die 3 Methoden
Methode 1: Sichtinspektion
Augenfällige Zeichen einer Wärmebrücke: Schimmelflecken an Wänden und Decken, besonders in Ecken; Kondensatwasser an Fensterscheiben oder Rahmen; spürbar kalte Wandflächen im Winter.
Einschränkung: Sichtinspektion zeigt nur schwere Fälle. Leichte Wärmebrücken sind nicht sichtbar und werden erst mit der Zeit zum Problem.
Methode 2: Thermografie
Die Infrarotkamera macht Temperaturunterschiede auf der Wandoberfläche sichtbar. Wärmebrücken leuchten im Wärmebild warm auf (von außen betrachtet) oder kalt auf (von innen betrachtet). Das ist die zuverlässigste Methode.
Voraussetzung: Mindestens 10 K Temperaturunterschied innen/außen, Außentemperatur unter 5 °C. Deshalb ist Thermografie hauptsächlich in der Heizperiode (Oktober–März) sinnvoll.
Methode 3: Rechennachweis (EnEV/GEG)
Bauphysiker und Energieberater berechnen Wärmebrücken mit Software anhand von Konstruktionszeichnungen. Das ist für den Nachweis im Energieausweis und für KfW-Anträge relevant, zeigt aber nicht die tatsächliche Ausführung.
Typische Wärmebrücken-Stellen im Gebäude
In über 15 Jahren Thermografie-Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Schwachstellen:
| Stelle | Typ | Schwere | Lösung |
|---|---|---|---|
| Auskragender Balkon | Konstruktiv | Hoch | Isolierverbindung (Schöck Isokorb) |
| Ringbalken Mauerwerk | Konstruktiv | Mittel | Innendämmung oder Abmauerung |
| Fensterstürze Beton | Konstruktiv | Mittel | Dämmschicht an Leibung |
| Außenwandecken (innen kalt) | Geometrisch | Gering–Mittel | Innendämmung der Ecke |
| Rollladenkasten offen | Konstruktiv/Leckage | Mittel | Dämmkoffer, Dichtband |
| Anschluss Fenster/Laibung | Leckage | Mittel | Dampfbremsband, sorgfältiger Anschluss |
| Kelleraußenwand oben | Konstruktiv | Gering–Mittel | Perimeterdämmung |
Wärmebrücken beheben – was hilft wirklich?
Konstruktive Wärmebrücken
Diese Wärmebrücken liegen tief in der Konstruktion und sind schwer zu beseitigen. Möglichkeiten:
- Isolierverbindungen: Bei Neubauten und bei Balkonanbau – thermisch entkoppelte Verbinder (z. B. Schöck Isokorb) unterbrechen den Wärmestrom
- Innendämmung: Wenn Außendämmung nicht möglich ist – Dämm-Platten mit Dampfbremse innen anbringen (Fachmann notwendig)
- Außendämmung (WDVS): Vollständige Außendämmung überdeckt geometrische und konstruktive Wärmebrücken
Geometrische Wärmebrücken
Ecken und Kanten lassen sich durch eine umlaufende Dämmung deutlich verbessern. Bei einer Außendämmung (WDVS) werden Ecken meist mit dickerer Dämmung versehen.
Leckagen und Anschlusswärmebrücken
Diese sind oft am günstigsten zu beheben. Dampfbremsbänder, Kompriband und sorgfältige Anschlüsse kosten wenig und bringen viel. Der Blower-Door-Test hilft, die genaue Position der Leckagen zu finden.
Thermografie: Das Werkzeug der Profis
Für eine vollständige Bestandsaufnahme aller Wärmebrücken ist die Gebäudethermografie das Mittel der Wahl. BlowerDoorMR bietet Thermografie-Messungen in Kombination mit dem Blower-Door-Test an – das gibt die vollständigste Aussage über die energetische Qualität der Gebäudehülle.
So läuft eine Thermografie ab:
- Termin in der Heizperiode (Oktober–März, Außentemperatur unter 5 °C)
- Aufnahmen von außen: alle Fassadenansichten, Dach, Kelleranschluss
- Aufnahmen von innen: kritische Anschlüsse, Ecken, Fensterlaibungen
- Kombination mit Blower-Door-Test: Leckagen unter Unterdruck im Thermobild sichtbar machen
- Bilderbericht mit Beschriftung und Handlungsempfehlungen
Wärmebrücken in Ihrem Gebäude finden
BlowerDoorMR führt Thermografie und Blower-Door-Tests in Sachsen-Anhalt, Berlin, Niedersachsen und Sachsen durch. Kombi-Paket spart Fahrtkosten.
Thermografie anfragen Mehr zur ThermografieHäufige Fragen
Einfache Leckagen (offene Rollladenkästen, fehlende Fensterdichtbänder) können von Heimwerkern verbessert werden. Konstruktive Wärmebrücken in Beton- oder Stahlkonstruktionen erfordern immer Fachleute, da falsch ausgeführte Innendämmung Schimmelschäden verstärken kann.
Ja – im Bedarfsausweis werden Wärmebrücken entweder pauschal oder detailliert berechnet. Wer die Wärmebrücken detailliert nachweist (mit Konstruktionszeichnungen), kommt oft auf bessere Energiekennwerte als mit dem Pauschalzuschlag.
Das variiert stark: Einfache Dichtmaßnahmen kosten 50–200 €. Eine Innendämmung kostet 80–200 €/m², eine Isolierverbindung am Balkon 500–2.000 € je Laufmeter. Die Thermografie (250–450 €) zeigt genau, wo Maßnahmen am dringendsten sind.