Warum Altbauten besonders undicht sind
Gebäude, die zwischen 1945 und 1990 errichtet wurden, entstanden in einer Zeit, in der Energiesparen keine Priorität hatte. Heizöl war günstig, Dämmung war optional und Luftdichtheit war kein Planungsthema.
Das Ergebnis: Fensterlaibungen ohne Dampfbremse, Dachbodentreppen ohne Dichtung, Elektrodosen in der Außenwand, Rollladenkästen mit offenem Mauerwerk. Über diese Stellen verlässt warme, feuchte Raumluft das Gebäude – und kalte Außenluft dringt unkontrolliert ein.
- Unsaniertes EFH Baujahr 1960–1975: 8–15/h
- Teilsaniertes EFH mit neuen Fenstern: 4–8/h
- GEG-Anforderung Neubau: ≤ 3,0/h
- KfW Effizienzhaus 55: ≤ 1,5/h
Neue Fenster allein verschlimmern die Situation oft: Sie dichten die Fensterebene ab, aber der Luftwechsel verlagert sich auf andere Schwachstellen. Das ist einer der Hauptgründe für Schimmelbildung nach Fenstertausch.
Was der Blower-Door-Test misst
Der Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972 misst die Luftdichtigkeit der gesamten Gebäudehülle. Im Test wird ein kalibrierter Ventilator in eine Türöffnung eingebaut und erzeugt einen definierten Unter- oder Überdruck (50 Pascal) im Gebäude. Der Volumenstrom, der nötig ist, um diesen Druck zu halten, wird als n50-Wert ausgedrückt: Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pascal.
Je niedriger der n50-Wert, desto luftdichter die Gebäudehülle. Der Test dauert 1,5 bis 2,5 Stunden und liefert ein normgerechtes Protokoll.
Optional: Während der Unterdruck herrscht, kann der Prüfer mit einem Rauchstift Luftströmungen sichtbar machen und Leckagen millimetergenau lokalisieren. Das ist besonders im Altbau wertvoll: So wissen Handwerker exakt, wo Abdichtungsarbeiten notwendig sind.
Grenzwerte: Was ist akzeptabel?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt für Neubauten und wesentliche Sanierungen Grenzwerte vor. Im Bestand gelten diese nicht automatisch – aber für KfW-Förderungen sind sie relevant.
| Gebäude / Ziel | n50-Grenzwert | Basis |
|---|---|---|
| GEG Neubau (ohne Lüftungsanlage) | ≤ 3,0/h | GEG § 26 |
| GEG Neubau (mit Lüftungsanlage) | ≤ 1,5/h | GEG § 26 |
| KfW Effizienzhaus 85 | ≤ 3,0/h | KfW BEG |
| KfW Effizienzhaus 70 | ≤ 2,0/h | KfW BEG |
| KfW Effizienzhaus 55 | ≤ 1,5/h | KfW BEG |
| KfW Effizienzhaus 40 | ≤ 1,0/h | KfW BEG |
| Passivhaus (PHI-Zertifikat) | ≤ 0,6/h | Passivhaus Institut |
Für den Altbau ohne Förderungsvorhaben gibt es keinen Pflichtwert. Dennoch gilt: Je niedriger der Wert, desto weniger unkontrollierten Wärmeverlust und desto geringeres Schimmelrisiko.
Typische Leckagen im Altbau
In über 15 Jahren Messarbeit zeigen sich immer wieder dieselben Schwachstellen:
- Rollladenkästen: Oft direkt ins Mauerwerk eingebaut ohne Dämmung oder Dichtung. Pro Kasten bis zu 30 m³/h Luftverlust.
- Dachbodentreppen: Klappluken ohne Dichtlippe, Falttreppen mit undichtem Rahmen.
- Elektroinstallation: Steckdosen und Lichtschalter in der Außenwand ohne Dampfbremsmanschette.
- Fensterlaibungen: Alte Fenster wurden oft nur mit Mörtel eingesetzt, kein Dampfbremsenband.
- Kellerschotts: Kellerdecke nicht luftdicht abgeschlossen, Kalt- und Warmluft mischen sich.
- Sanitär- und Kaminrohre: Durchdringungen durch die Gebäudehülle ohne Manschetten.
- Anschlüsse Wand/Dach: Sparren-Auflager, Kniestockanschlüsse ohne Dampfbremsenfolie.
KfW-Förderung und Blower-Door-Test
Der Blower-Door-Test ist für bestimmte KfW-Förderprogramme Voraussetzung:
KfW BEG – Bundesförderung für effiziente Gebäude
Wer sein Altbau zu einem KfW-Effizienzhaus sanieren möchte, braucht ein zertifiziertes Blower-Door-Protokoll. Die Stufen EH 70, EH 55 und EH 40 haben alle Mindestanforderungen an den n50-Wert.
KfW-Einzelmaßnahmen
Für die Einzelmaßnahme „Luftdichtheitssanierung" (BEG EM) ist kein Vortest erforderlich – aber ein Blower-Door-Test nach der Maßnahme wird zur Dokumentation empfohlen.
- Gesamtsanierungskosten: ca. 80.000 €
- KfW-Kredit BEG EH55: bis 150.000 € zu Niedrigzins
- Tilgungszuschuss: 15 % = 22.500 € Zuschuss
- Voraussetzung: n50 ≤ 1,5/h im Protokoll
Ablauf: So läuft der Test ab
Ein Blower-Door-Test im Altbau unterscheidet sich leicht vom Neubau-Test, weil das Gebäude bewohnt ist und manche Dinge vorbereitet werden müssen.
- Vorbereitung: Alle Innenraumtüren öffnen, Herd und Dunstabzug ausschalten, Kaminabzug absperren, Lüftungsanlagen ausschalten.
- Einbau: Ventilator wird in einer Außentür oder Fensterfläche montiert (20–30 Minuten).
- Messung: Druckauf- und -abbau je 5 Messungen, automatisierte Auswertung (ca. 30 Minuten).
- Leckageortung: Bei Unterdruck werden Zugluftquellen mit Rauchstift oder Wärmebildkamera sichtbar gemacht (30–90 Minuten).
- Protokoll: DIN-EN-ISO-9972-Messprotokoll per E-Mail innerhalb von 24–48 h.
Kosten und Nutzen
Der Blower-Door-Test kostet im Altbau ab 390 € (EFH bis 200 m²). Bei umfangreicher Leckageortung mit Thermografie liegt der Gesamtpreis bei 700–1.200 €. Das klingt nach viel – ist es aber nicht, wenn man den Nutzen dagegenstellt:
Ein unsanierter Altbau mit n50 = 10/h hat eine unkontrollierte Lüftungswärmeverlust von ca. 3.000–5.000 kWh/Jahr extra. Bei 0,10 €/kWh (Gas) sind das 300–500 € Mehrkosten – jährlich. Der Test amortisiert sich in einem Jahr.
Dazu kommt: Wer ohne Test saniert, riskiert, die falschen Stellen abzudichten. Investitionen in Dämmung können verpuffen, wenn der Luftpfad nicht geschlossen wird. Der Test gibt Handwerkern die exakte Karte der Schwachstellen.
Blower-Door-Test für Ihren Altbau
BlowerDoorMR misst normgerecht im gesamten Raum Sachsen-Anhalt, Berlin, Niedersachsen und Sachsen. Protokoll in 24–48 h, KfW-tauglich.
Termin anfragen Preise ansehenHäufige Fragen
Ja, auch ohne konkreten Sanierungsplan. Der Test zeigt Ihnen, wo die größten Wärmeverluste entstehen und gibt Ihnen eine Priorisierungsgrundlage. Gerade wenn Sie nicht wissen, warum der Heizenergieverbrauch hoch ist, ist der Test ein idealer Einstieg.
Ja, unbedingt. Der Test wird im bewohnten Zustand durchgeführt – nur Herd, Kamin und Lüftung müssen ausgeschaltet sein. Das ist in der Regel kein Problem. Der Messaufwand beträgt ca. 2–3 Stunden.
Ohne Messung können Sie nur schätzen. Faustregeln: Bei spürbarer Zugluft liegt der Wert oft über 5/h. Wenn Sie keine Zugluft spüren aber hohe Heizkosten haben, deutet das auf verdeckte Leckagen hin – z. B. hinter Verkleidungen oder im Dachbereich. Nur der Test gibt Gewissheit.