Fachwissen & Normen

Glossar – Fachbegriffe P bis W

Passivhaus, sd-Wert, Thermografie, U-Wert, Vorlauftemperatur, Wärmebrücke, Wärmepumpe – 14 Begriffe auf der letzten Seite.

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P

Passivhaus

Hochgedämmtes, sehr luftdichtes Gebäudekonzept mit Heizwärmebedarf ≤ 15 kWh/(m²·a) und n50 ≤ 0,6 h⁻¹. Entwickelt am Passivhaus-Institut Darmstadt (PHI) durch Prof. Wolfgang Feist in den frühen 1990er Jahren.

Heizung und Frischluftzufuhr ausschließlich über eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) mit Wärmerückgewinnung ≥ 75 %; klassische Heizkörper oder Fußbodenheizung entfallen weitgehend. Zertifizierung durch PHI-akkreditierte Stellen nach detaillierter PHPP-Berechnung.

Technische Kriterien: Heizlast ≤ 10 W/m² (kein klassisches Heizsystem notwendig), Primärenergiebedarf ≤ 120 kWh/(m²·a), Luftdichtheit n50 ≤ 0,6 h⁻¹ (Pflichtnachweis durch Blower-Door-Test). Außerdem: wärmebrückenfreie Konstruktion (Ψ-Werte ≤ 0,01 W/(mK)), Dreifachverglasung (Uw ≤ 0,8 W/(m²K)), hocheffiziente Wärmerückgewinnung.

Wirtschaftlichkeit: Passivhäuser kosten im Neubau ca. 5–15 % mehr als konventionelle Gebäude. Die Heizkosten liegen 80–90 % unter einem unsanierten Bestandsgebäude. Über den Lebenszyklus rechnen sich Passivhäuser in der Regel ab dem 15.–20. Betriebsjahr. KfW EH 40 Passivhaus-kompatibel (EH 40 Plus mit Eigenstromversorgung möglich).

→ n50-Wert: Was gilt als gut?
P

Primärenergiefaktor

Faktor für den Gesamtaufwand an Primärenergie pro eingesetzter kWh Endenergie – berücksichtigt Förderung, Transport, Umwandlung und Übertragungsverluste des Energieträgers vom Ursprung bis zum Gebäude.

Richtwerte nach GEG 2024 (DIN V 18599 Beiblatt 1): Netzstrom 1,8 · Erdgas 1,1 · Heizöl 1,1 · Fernwärme 0,3–1,3 (je nach Erzeugungsmix) · Holzpellets 0,2 · Biogas 0,5. Wärmepumpen mit JAZ 3,5: effektiver Primärenergiefaktor 1,8 ÷ 3,5 = 0,51 – günstiger als Gasheizung mit Faktor 1,1.

Bedeutung für Förderung: Der Jahres-Primärenergiebedarf (QP) im Energieausweis und für GEG-Nachweise ergibt sich als Produkt aus Jahres-Endenergiebedarf und Primärenergiefaktor. Wer auf erneuerbare Energieträger mit niedrigem PE-Faktor setzt, verbessert so automatisch die Energiebilanz des Gebäudes – unabhängig von baulichen Maßnahmen.

Kritische Betrachtung: Der Strom-PE-Faktor 1,8 für Netzstrom spiegelt den deutschen Strommix von 2024 wider. Da der Erneuerbare-Energien-Anteil stetig wächst, sinkt dieser Wert perspektivisch – was Wärmepumpen und Elektro-Direktheizung im Vergleich zu fossilen Energieträgern zunehmend vorteilhafter macht.

Q

q50-Wert

Luftdurchlässigkeitsrate bei 50 Pa Druckdifferenz, bezogen auf die Netto-Hüllfläche [m³/(h·m²)]. Gibt an, wie viel Luft pro Stunde und Quadratmeter Hüllenfläche bei 50 Pa durchströmt.

Aussagekräftiger als der n50-Wert bei großen oder geometrisch komplexen Gebäuden mit günstigem Oberflächen-Volumen-Verhältnis (A/V). Bei einem Hochhaus mit kleiner Hüllfläche relativ zum Volumen wäre der n50-Wert automatisch niedrig – der q50-Wert erlaubt einen fairen Vergleich.

Normative Einordnung: DIN EN ISO 9972 gibt q50 als ergänzenden Kennwert an. Bei Nichtwohngebäuden, Schulen, Büros und Sonderimmobilien wird q50 häufig als primäre Kennzahl verwendet. Richtwert EN 12207 für Fensterdichtheit: Klasse 4 = q50 ≤ 2,25 m³/(h·m²) Fugenlänge.

Praxisrelevanz: Das normkonforme Blower-Door-Protokoll weist immer sowohl n50 als auch q50 aus. Welche Kennzahl für Fördernachweise oder Qualitätszertifizierungen maßgeblich ist, hängt vom jeweiligen Programm ab – bei BEG und KfW ist n50 der Referenzwert, bei BREEAM und DGNB oft q50.

→ n50-Wert: Was gilt als gut?
R

Rollladenkasten

Aus bauphysikalischer Sicht eine der häufigsten und gravierendsten Schwachstellen in der Luftdichtheitsebene. Typischer Luftpfad: Außenwand → Rollladenkasten → Führungsschienen → Innenraum. Der Kasten selbst liegt oft außerhalb der Gebäudedämmebene.

Maßnahmen: Bürstendichtungen in den Führungsschienen (günstig, ~50–100 €, reduziert Leckage um 50–70 %), nachträgliche Wärmedämmung des Kastens von innen mit Hartschaum-Klettplatten (effektiver, ~200–400 €), oder vollständiger Austausch gegen einen gedämmten Kasten (bei Fenstertausch empfohlen).

Messbare Wirkung: Bei einem typischen EFH mit 8–10 Rollladenkästen können diese allein für n50-Beiträge von 0,5–1,5 h⁻¹ verantwortlich sein – ein erheblicher Anteil des Gesamtleckagestroms. Bei Leckageortungen wird der Rollladenkasten deshalb systematisch als erstes geprüft.

Kombination mit Fenstereinbau: Bei einem Fensteraustausch sollte der Rollladenkasten grundsätzlich mitgedämmt werden. Ein neues Fenster mit Uw = 0,7 W/(m²K), kombiniert mit einem undichten Rollladenkasten dahinter, erreicht in der Praxis nur Uw,effektiv ≈ 1,5 W/(m²K) – die Investition in das hochwertige Fenster bleibt zu einem großen Teil wirkungslos.

→ Leckageortung: Profi oder DIY?
S

sd-Wert

Wasserdampf-Diffusionsäquivalente Luftschichtdicke [m]: Maß für den Diffusionswiderstand einer Schicht gegen Wasserdampf-Diffusion nach DIN EN ISO 13788. Je größer der sd-Wert, desto diffusionsdichter die Schicht.

Typische Richtwerte: Dampfbremse variabel 0,5–25 m · Dampfsperre > 100 m · PE-Folie 0,2 mm ≈ 50 m · Gipskarton 0,1 m · OSB-Platte 2–5 m · Holzfaserplatte ≈ 1 m · Mineralwolle < 0,1 m. Bestimmt zusammen mit dem U-Wert das Diffusions- und Tauwasserverhalten einer Baukonstruktion.

Berechnung und Glaser-Verfahren: Das vereinfachte Glaser-Verfahren (DIN 4108-3) prüft anhand der sd-Werte aller Schichten, ob Tauwasser innerhalb der Konstruktion ausfällt. Ergibt sich rechnerisch Tauwasser, muss die Konstruktion neu geplant oder eine feuchteadaptive Dampfbremse eingesetzt werden.

Wichtige Unterscheidung: sd-Wert ≠ Luftdichtigkeitsmaß. Ein hoher sd-Wert bedeutet hohen Diffusionswiderstand, sagt aber nichts über Luftdichtheit aus. Eine Folie mit sd = 100 m kann trotzdem zahlreiche Leckagen haben, die konvektive Feuchteeinträge ermöglichen – die weitaus gefährlichere Transportart als Diffusion.

→ Dampfsperre vs. Luftdichtheit erklärt
S

Schimmel / Schimmelpilz

Mikroorganismen, die auf feuchten Oberflächen wachsen und gesundheitsschädliche Sporen und Mykotoxine freisetzen. Gesundheitsgefährdend ab sichtbaren Flächen > 0,5 m²; für Kinder, Asthmatiker und Allergiker auch kleinere Befall problematisch.

Ursachen: Dauerhaft erhöhte Raumluftfeuchte > 65–70 % rel. Feuchte, unzureichende Lüftung, Kondensation an Wärmebrücken (Bauteiloberflächentemperatur < Taupunkt der Raumluft) und konvektive Feuchteeinträge durch undichte Luftdichtheitsebene.

Häufiges Fehlbild „Schimmel nach Fenstertausch": Neue Fenster dichten den Rahmen gut ab. Vorher hat das Gebäude durch undichte Fenster „zufällig" ausreichend gelüftet. Nach dem Tausch fehlt dieser unkontrollierte Luftwechsel – die Raumluftfeuchte steigt, Wärmebrücken an alten Wandkonstruktionen kondensieren. Folge: Schimmel hinter Schränken und in Ecken, obwohl nur Fenster getauscht wurden.

Prävention: Blower-Door-Test und Thermografie identifizieren Risikostrukturen bevor Schimmel entsteht. Ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 sichert dauerhaft ausreichenden Luftwechsel. Sanierung: befallene Flächen professionell entfernen (Biozid, mechanisch), Ursache beheben (Dämmung, Lüftung), nicht nur überstreichen.

→ Schimmel nach Fenstertausch
T

Thermografie (Wärmebildmessung)

Berührungslose Messung der Infrarotstrahlung von Bauteiloberflächen mit einer kalibrierten IR-Kamera nach DIN EN 13187. Die Kamera erfasst Temperaturen von –20 bis +350 °C mit einer Genauigkeit von ±2 K und macht Wärmebrücken, Luftleckagen und Feuchtigkeitsschäden sichtbar.

Pflichtbedingungen für normkonforme Aufnahmen: ΔT ≥ 10 K innen/außen (besser ≥ 15 K), kein direktes Sonnenlicht auf die gemessenen Flächen in den letzten 12 h, Wind < 5 m/s. Außenthermografie ist optimal im Winter nachts oder bei bedecktem Himmel. Innenthermografie zeigt aktive Leckstellen unter Blower-Door-Unterdruck besonders klar.

Anwendungsfälle: Wärmebrückennachweis nach DIN EN ISO 14683, Leckagefinderung kombiniert mit Blower-Door (Unterdruck + Thermografie = sichtbare Kaltlufteinströmungen), Feuchtigkeitsschäden in Wänden und Decken, Prüfung vergossener Fußbodenheizkreise, Inspektion von PV-Modulen (IEC 62446-3), Dachabdichtung auf Wassereinschlüsse.

Grenzen der Methode: Thermografie zeigt nur Temperaturdifferenzen – keine absoluten Feuchtigkeitswerte oder U-Werte direkt. Fehlinterpretationen sind möglich, wenn Sonneneinstrahlung oder Heizungsstrahlungswärme die Oberflächentemperaturen verzerren. Professionelle Auswertung durch ausgebildete Thermografen nach DACH-Richtlinien ist deshalb entscheidend.

→ Leistung: Thermografie
T

Tilgungszuschuss

Nicht zurückzuzahlender Erlass eines Teils der KfW-Kreditschuld nach erfolgreicher Fertigstellung, Nachweiserbringung und Prüfung durch die KfW (Bestätigung nach Durchführung, BnD). Der Tilgungszuschuss ist der wichtigste wirtschaftliche Hebel bei der KfW-Förderung.

Aktuelle Sätze (BEG WG Neubau 2024): KfW EH 55 = 5 % Tilgungszuschuss auf max. 100.000 € Kreditbetrag = bis zu 5.000 €; KfW EH 40 = 15 % = bis zu 22.500 €; KfW EH 40 mit EE-Klasse oder QNG-Siegel = 20 % = bis zu 30.000 € je Wohneinheit.

Für Sanierungen (BEG WG): Je nach Effizienzhausstufe und Maßnahmenbündel steigen die Tilgungszuschüsse. EH 85 Sanierung = 5 %; EH 40 Sanierung = 25 %; EH 40 mit EE-Klasse = 30 %. WPB-Bonus (Worst Performing Building) addiert 5 % für besonders sanierungsbedürftige Objekte.

Voraussetzungen für Auszahlung: Normgerechtes Blower-Door-Protokoll nach DIN EN ISO 9972 (für EH 55/40), Bestätigung nach Durchführung (BnD) durch den EEE, Upload aller Nachweise in die KfW-Plattform innerhalb von 9 Monaten nach Fertigstellung. Ohne vollständige Nachweise wird der Tilgungszuschuss nicht ausgezahlt.

→ KfW-Förderung & Blower-Door-Test
U

U-Wert – Wärmedurchgangskoeffizient

Wärmedurchgangskoeffizient [W/(m²·K)]: Maß für den stationären Wärmedurchgang durch ein Bauteil pro Quadratmeter und Kelvin Temperaturdifferenz. Je kleiner, desto besser gedämmt. Berechnet nach DIN EN ISO 6946.

Richtwerte: Einfachverglasung 5,0 · Doppelverglasung 2,8 · Dreifachverglasung 0,7 W/(m²·K) · Außenwand GEG-Neubau ≤ 0,24 · Dach GEG ≤ 0,20 · Kellerdecke GEG ≤ 0,30 · KfW EH 40 Außenwand ≤ 0,12–0,15 W/(m²·K).

Berechnung: U = 1 / (Rsi + R1 + R2 + … + Rse), wobei R = Schichtdicke ÷ Wärmeleitfähigkeit λ. Rsi und Rse sind normierte Übergangswiderstände. In der Praxis wird der U-Wert bei schwer zugänglichen Bauteilen auch messtechnisch nach ISO 9869-1 (Heat Flow Meter) bestimmt – BlowerDoorMR bietet dies kombiniert mit der Thermografie an.

Abgrenzung zum n50-Wert: U-Wert beschreibt Wärmeverluste durch Transmission (Wärmeleitung durch das Bauteil); n50 beschreibt Wärmeverluste durch Infiltration (Luftströmung durch Leckagen). Beide sind unabhängig voneinander und müssen separat minimiert werden – eine gut gedämmte, aber luftundichte Hülle verschwendet erhebliche Energie durch Infiltration.

→ Leistung: U-Wert-Bestimmung
V

Vorlauftemperatur

Temperatur des Heizwassers beim Verlassen des Wärmeerzeugers in Richtung Heizflächen [°C]. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet eine Wärmepumpe – jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die JAZ um ca. 2–3 %.

Typische Betriebspunkte: Fußbodenheizung 30–35 °C · Niedertemperatur-Heizkörper 40–45 °C · Altbau-Rippenheizkörper 55–70 °C. Niedrige Vorlauftemperaturen setzen ausreichend große Heizflächen, hydraulischen Abgleich und eine gute Gebäudehülle voraus.

Systemtemperatur und Heizflächenberechnung: Eine Heizfläche muss bei der gewünschten Vorlauftemperatur die Heizlast des Raums decken können. Formel vereinfacht: Q [W] = k × A × (T_mittel – T_Raum), wobei k der Wärmeübergangskoeffizient des Heizkörpers ist. Für Niedertemperatur-Betrieb müssen ggf. größere Heizkörper eingebaut werden.

Gebäudehülle als Voraussetzung: Niedrige Vorlauftemperaturen sind nur dann dauerhaft ausreichend, wenn die Heizlast des Gebäudes durch Dämmung und Luftdichtheit entsprechend niedrig ist. Ein Blower-Door-Test ermittelt die genaue Heizlast und damit die minimal notwendige Vorlauftemperatur – Grundlage für jede Wärmepumpenauslegung im Bestand.

→ Wärmepumpe im Altbau: lohnt sich das?
W

Wärmebrücke

Stelle in der Gebäudehülle mit lokal erhöhtem Wärmedurchgang gegenüber der ungestörten Fläche. Zwei Grundtypen: Geometrische Wärmebrücken (Außenecken, Durchdringungen – unvermeidlich, aber berechnbar) und Konstruktive Wärmebrücken (Balkonplatten, Betonstützen, Fensterstürze – durch gezielte Maßnahmen erheblich reduzierbar).

Bauphysikalische Folgen: Wärmebrücken senken die Innenoberflächentemperatur lokal unter den Taupunkt der Raumluft → Kondensation → Schimmelwachstum. Sichtbar per Thermografie nach DIN EN 13187; quantifiziert durch den linearen Wärmedurchgangskoeffizient Ψ (Psi-Wert) nach DIN EN ISO 10211.

Energetische Bedeutung: Wärmebrücken können bei Niedrigenergiehäusern 20–40 % der Transmissionswärmeverluste verursachen, obwohl sie flächenmäßig wenige Prozent der Hülle ausmachen. Das GEG schreibt vor, Wärmebrücken im Energieausweis zu berücksichtigen, wahlweise pauschal (ΔUWB = 0,05 W/(m²K)) oder detailliert nach DIN EN ISO 14683.

Abhilfe: Thermische Trennung von Balkonplatten (Isokorb), umlaufende Dämmung ohne Unterbrechungen (WDVS), Fenstermontage in der Dämmebene, gedämmte Rollladenkästen. Qualitätssicherung durch Thermografie im Fertigstellungszustand und Vergleich mit den Planungsdetails.

→ Wärmebrücken erkennen & beheben
W

Wärmedämmung / WDVS

WDVS (Wärmedämmverbundsystem): Dämmputzfassade, bei der Dämmstoffe direkt auf die Außenwand aufgeklebt und gedübelt werden, mit einem armiertem Putzträger und Deckputz abgeschlossen. Häufigste Dämmstoffe: EPS (Polystyrol), Mineralwolle, Holzfaserplatten.

Effektiv nur in Kombination mit gesicherter Luftdichtheit. Reine Fassadendämmung ohne Leckagebeseitigung bringt typisch nur 60–80 % des möglichen Einsparpotenzials, weil unkontrollierter Luftwechsel durch Fugen und Leckagen weiterhin erhebliche Wärmeverluste verursacht.

Dämmdicken und U-Werte: 14 cm EPS (λ = 0,035 W/(mK)) reduziert eine 24er-Mauerwerksaußenwand (U = 1,6 W/(m²K)) auf U ≈ 0,22 W/(m²K) – nahe am GEG-Neubauniveau. 20 cm Mineralwolle (λ = 0,032) erreicht U ≈ 0,13 W/(m²K) – KfW-EH-40-fähig.

Reihenfolge in der Sanierung: WDVS erst nach Sicherung der Luftdichtheitsebene, nicht davor. Sonst werden Leckagen eingedämmt statt beseitigt – was feuchte Bauteile, Schimmel und im Extremfall Holzfäule hinter der Dämmung verursachen kann. Blower-Door-Test vor und nach der Sanierung dokumentiert die Verbesserung.

→ Richtige Reihenfolge der Sanierung
W

Wärmepumpe

Heizanlage, die Umgebungsenergie (Außenluft, Erdreich oder Grundwasser) mittels thermodynamischem Kreisprozess auf nutzbare Heiztemperatur anhebt. Typen: Luft-Wasser-WP (LWP, am häufigsten, keine Genehmigung), Sole-Wasser-WP (Erdwärme via Flächenkollektor oder Sonde, höhere JAZ, Bohrung genehmigungspflichtig), Wasser-Wasser-WP (Grundwasser, höchste JAZ, behördliche Genehmigung).

Voraussetzungen für wirtschaftlichen Betrieb im Altbau: ausreichend große Heizflächen (Fußbodenheizung oder großzügige Heizkörper), hydraulischer Abgleich, gute Gebäudehülle (niedriger n50 und ausreichend gedämmte Hülle). Blower-Door-Test vor dem Kauf der Wärmepumpe verhindert teure Überdimensionierung durch überschätzte Heizlast.

Effizienz im Kältebetrieb: Luft-WP verlieren bei sinkenden Außentemperaturen an Effizienz (COP sinkt). Unter –15 °C arbeiten sie im Bivalenzpunkt (Hilfselektriker schaltet zu). Sole-WP arbeiten durch die konstante Erdwärme von ca. 8–12 °C ganzjährig stabiler und effizienter – JAZ 4,0–5,5 vs. JAZ 2,5–3,8 für LWP im deutschen Klima.

GEG 2024: Wärmepumpen erfüllen die 65-%-EE-Pflicht automatisch, sofern der Strom aus erneuerbaren Quellen oder dem Netz kommt (da der Wirkungsgrad-Nachweis über die JAZ geführt wird). Mit PV-Anlage kombiniert erreichen Wärmepumpen sehr niedrige CO₂-Emissionen.

→ Blower-Door vor der Wärmepumpe
W

Wärmerückgewinnung (KWL)

Rückgewinnung von Wärme aus der Abluft via Wärmetauscher in einer kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL). Dabei wird die warme Innenluft (Abluft aus Bad, Küche, WC) am Wärmetauscher vorbeigeleitet und überträgt bis zu 90 % ihrer Wärme auf die kalte Frischluft – ohne dass die Luftströme sich vermischen.

Setzt sehr gute Luftdichtheit voraus: Bei n50 > 1,5 h⁻¹ entspricht der unkontrollierte Leckluftwechsel bereits dem geplanten KWL-Luftwechsel – die Anlage verliert dann einen Großteil ihrer Wirkung, weil Wärme über unkontrollierte Wege das Gebäude verlässt.

Technische Wirkungsgrade: Gegenstromwärmetauscher 80–93 % · Kreuzgegenstromtauscher 75–85 % · Rotationswärmetauscher (Enthalpietauscher) 70–85 % mit zusätzlicher Feuchterückgewinnung. Der Normwirkungsgrad wird nach EN 13141-7 gemessen. Passivhäuser fordern ≥ 75 % Wärmebereitstellungsgrad.

Energetische Relevanz: Eine KWL mit WRG senkt den Heizwärmebedarf in sehr gut gedämmten Gebäuden um 30–60 % im Vergleich zu Fensterlüftung. Voraussetzung ist ein dichtes Gebäude (n50 ≤ 0,6 h⁻¹ für Passivhaus-KWL, ≤ 1,0 h⁻¹ für Standard-EH). BlowerDoorMR empfiehlt: Erst Blower-Door-Test, dann KWL-Planung – nicht umgekehrt.

→ Lüftung mit Wärmerückgewinnung